“Himmelhochjauchzend zu Tode betrübt”, so kennt man die Bipolare Störung aus dem Volksmund, eine Krankeit, die man erst akzeptieren muss, wenn es einen betrifft, als Betroffener und Angehöriger.
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Erfahrungen Betroffener
Es fing alles mit Schlafstörungen an. Ich hatte das Gefühl, dass ich alle Energie der Welt habe und alle Probleme lösen kann. Ich fühlte mich wie eine Göttin. Dass dies eine Manie sein kann, wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht. Ich hatte noch keine Erfahrungen mit dieser Erkrankung. Mir ging es zu diesem Zeitpunkt blendend. Je stärker die Schlafstörungen wurden, desto mehr Ängste kamen jedoch hinzu. Ich hatte Angst, dass Nachbarn mich bestrahlen würden, ich war nicht mehr in der Lage, meine Einkäufe zu erledigen, habe Dinge doppelt gekauft, weil ich vergessen hatte, dass die Einkäufe bereits im Kofferraum waren. Als mein Mann sie dort vorgefunden hat, war ich mir zu 100 % sicher, dass sie ein anderer dort hineingelegt haben muss, obwohl ich allein einkaufen war. Nachdem ich nachts dachte, dass meine Schwester mich umbringen würde, wurde meiner Familie endgültig klar, dass wir diese Situation nicht alleine lösen können. Mit Hilfe eines Arztes aus dem Bekanntenkreis ist es nach längerem hin und her gelungen, mich zu einem Krankenhausbesuch zu überreden. Dort blieb ich dann fast ein halbes Jahr. Wie mir erklärt wurde, leide ich unter einer bipolaren Störung und hatte eine ausgeprägte Manie. Nun steckte ich in einer, auch Krankheitsbedingten, Depression von der ich zu diesem Zeitpunkt nie vermutet hätte, wie lange diese andauern kann und wie stark sich mein Leben von nun an verändern würde. Die einfachsten Dinge des Alltages waren für mich nicht mehr zu bewältigen. Obwohl ich kleine Kinder hatte, habe ich den lieben langen Tag im Bett verbracht. Einkaufen, Kochen, fast alle Aufgaben waren unüberwindbare Hindernisse für mich. Ich hatte Ängste vor dem Autofahren, vor großen Menschenmengen, vor allen ungewohnten Situationen. Ich habe mich selbst sozial isoliert und Kontakte nach Möglichkeit vermieden. Diese Depression wurde nur sehr sehr langsam besser und zog sich über mehr als 2 Jahre hin. Selbst heute, 3 Jahre nach dem Krankenhausaufenthalt fühle ich mich noch immer leicht depressiv und fahre noch immer sehr ungern Auto. Mir macht es auch schwer zu schaffen, dass ich seit dem Krankenhausaufenthalt durch die Medikamente, die Depression und den Bewegungsmangel 20 kg zugenommen habe. Und dass es mir unglaublich schwerfällt, wieder abzunehmen. Als ich vor einem Jahr auf die Selbsthilfegruppe aufmerksam wurde, half mir am meisten, dass ich nun mit meinen Problemen nicht mehr alleine dastehe. Es hilft mir zu sehen, dass Menschen aus jeder sozialen Schicht erkrankt sein können, dass alle mit ähnlichen Problemen wie z.B. der Gewichtszunahme, zu kämpfen haben. Man sich über Therapien und Medikamente austauschen kann, oder einfach zusammen etwas unternimmt, wie essen gehen, Spielenachmittage, ins Kino gehen.